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Von der Schulbank in die Redaktion

Ein Knöllchen von meinem Stammpolizisten vor dem Pressehaus in Düseldorf
Ein Knöllchen von meinem Stammpolizisten
vor dem Pressehaus in Düsseldorf
1. Redaktion Darmstädter Tagblatt
1. Redaktion Darmstädter Tagblatt

Mein geplantes Studium scheiterte an einer schnellen Karriere. Während ich plante, mich an der Universität in Frankfurt für Theaterwissenschaft und Germanistik einschreiben zu lassen, erreichte mich eine Anfrage des Darmstädter Tagblatts. Für diese Zeitung hatte ich schon während meiner Schulzeit in der Unter- und Oberprima regelmäßig Berichte geschrieben, vor allem am Wochenende. Da sie mit meinen Texten wenig Arbeit hatten, boten sie mir ein Volontariat an, eine klassische Redakteursausbildung in allen Ressorts. Ich war begeistert und warf den Brief an die Uni in den Papierkorb.

Zwei Tage später saß ich an meinem ersten Schreibtisch. Während ich in der Schule froh war, wenn ich nicht dran kam, wurde ich in der Zeitung zum Streber. Ich meldete mich für jedes Thema, egal, ob der Termin abends war oder am Sonntagfrüh.
Schnell schaffte ich erste Kontakte zu Kommunalpolitikern, ging ins Rathaus und saß stundenlang im Stadtrat. Da wir eine kleine Mannschaft waren, bekam ich viele Chancen. Ich nutzte sie. 

Nachdem ich bei der Allgemeinen Zeitung in Mainz, unserem Schwesterblatt, auch noch die nationalen Ressorts Politik, Wirtschaft und Feuilleton kennengelernt hatte, wurde ich zum Redakteur ernannt. Ein halbes Jahr früher als geplant. Dann begannen meine Wanderjahre quer durch Deutschland. Ich arbeitete bei Tageszeitungen in Wuppertal, Nürnberg und Düsseldorf.

Die Wechsel kamen nicht zustande, weil ich mich irgendwo beworben hätte. Ich fühlte mich immer wohl in meinem Job und tat meine Arbeit gerne, aber meist nach zwei Jahren meldete sich ein Kollege und lockte mit einem Angebot in eine andere Stadt. So stieg ich auf zum Ressortleiter und Chefreporter.

Geschäftsführer Dr. Hubert Burda und Chefredakteur Helmut Markwort besichtigen 1966 die neuen Redaktionsräume in München
Geschäftsführer Dr. Hubert Burda und Chefredakteur
Helmut Markwort besichtigen 1966 die neuen
Redaktionsräume in München

Schließlich landete ich beim Stern. Henri Nannen war auf mich aufmerksam geworden und bot mir die Leitung des Landesbüros Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf an. Ich erlebte eine ganz neue Facette meines Berufs. Die rätselhaften Abstürze von Starfightern beschäftigten mich monatelang. Gleichzeitig recherchierte ich Hintergründe der Landespolitik in Nordrhein-Westfalen.

Nach zwei Jahren beim Stern kam es zu einer Schlüsselbegegnung meines Lebens. Der junge Verleger Dr. Hubert Burda wollte mich kennenlernen. Wir trafen uns mehrfach und kamen zu der Erkenntnis, dass wir einander gut ergänzen könnten. Diese kreative Partnerschaft hält – mit Unterbrechungen – bis heute. Begonnen hat sie 1966 in München. Senator Franz Burda ernannte seinen 25-jährigen Sohn Hubert zum Verlagsleiter von Bild und Funk. Ich wurde mit 29 der jüngste Chefredakteur Deutschlands. Wir bewegten viel.
Nach vier Jahren kam es zu einem Kompetenzkonflikt mit Senator Burda, den ich verlor. 

Meine Karriere konnte ich beim Gong-Verlag fortsetzen. Ich wurde Chefredakteur des Gong und später auch Geschäftsführer des Verlags. Dort blieb ich zwanzig Jahre lang, half beim Ausbau des Unternehmens und schrieb viel über Medienpolitik. Hubert Burda und ich hielten immer freundschaftlichen Kontakt zueinander. Wir luden uns gegenseitig zu unseren 50. Geburtstagen ein, feierten und bauten Luftschlösser. Bis wir eines ganz real verwirklichten.