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Spannende Zeit in zwei Gymnasien

Gute Laune im Freundeskreis
Gute Laune im Freundeskreis (vorne links)

Zum Glück für mich folgten meine Eltern der Empfehlung eines mir wohl gesonnenen Volksschullehrers und schickten mich auf ein humanistisches Gymnasium. Sie träumten davon, dass mit Hilfe der Fremdsprachen Latein und Griechisch aus dem Bub ein Pfarrer werden könnte. Bis zum Abitur hatte ich aber so viel Friedrich Nietzsche gelesen, dass ich mich anderen Neigungen widmete als der Theologie. Die Welt der Römer und der Griechen und die deutschen Klassiker in Drama und Lyrik besetzten meine Gedanken.

Zwei traditionsreiche humanistische Gymnasien und eindrucksvolle Lehrer haben mich geprägt.

Die ersten Schuljahre verbrachte ich am Gymnasium Casimirianum in Coburg, dann wechselte ich – weil der Vater hessischer Beamter wurde – nach Darmstadt ans Ludwig-Georgs-Gymnasium.

Schultheater
Schultheater (links)

Dort blieb ich bis zum Abitur, ohne eine Klasse wiederholen zu müssen. Das war nicht selbstverständlich, weil ich am Unterricht in den naturwissenschaftlichen Fächern oft nicht teilnehmen konnte. Vielerlei Versuchungen hielten mich fern. Ich musste mich um Texte und Anzeigen für die Schülerzeitung kümmern, hatte Probenverpflichtungen als Statist am Landestheater und musste mich um unser Schultheater kümmern. Da war ich nicht nur als Schauspieler engagiert, sondern hatte mir von den Freunden auch noch allerlei organisatorische Aufgaben anhängen lassen.

Für das Fach Physik hatte ich mir nicht einmal ein Unterlagenheft anlegen können, weil ich unbedingt ein paar richtige Fußballschuhe finanzieren musste. Für dieses Projekt fuhr ich mit dem Rad für eine Buchhandlung Bücher und Zeitschriften aus. Der Lohn waren 35 Pfennig in der Stunde. Das Geschäft endete ärgerlich. Als ich das Geld für die Fußballschuhe zusammenverdient hatte, stahl mir einer mein Fahrrad.

Die vielen Ablenkungen führten dazu, dass meine Eltern zwei Jahre hintereinander mit einem gleich lautenden Text erschreckt wurden. Sie schämten sich schrecklich, als sie lasen:

 

„Bei gleich bleibenden Leistungen ist die Versetzung des Schülers H.M. ausgeschlossen.”

Zweimal gelang mir ein strapaziöser Endspurt: jeweils nur eine Fünf. Dafür konnte ich im Deutsch-Unterricht jederzeit aus einem Repertoire von vierzig Gedichten deklamieren, wusste alles über Georg Büchner und Heinrich Heine und spielte in Komödien von Aristophanes und Dramen von Sophokles mit. Wir spielten die griechische Urfassung, obwohl wir wussten, dass uns im Publikum außer zwei pensionierten Altphilologen niemand verstand.

Gerne hätten wir Homers Odyssee in der großartigen Übersetzung von Voß dargeboten, aber die Schulzeit ging zu Ende.
Wir mussten hinaus ins richtige Leben.