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Die spannende Story der Erfolgssender Radio Gong und Antenne Bayern

Erste Sendungen bei Radio Gong. Studio war auf der Straße in Schwabing
Erste Sendungen bei Radio Gong.
Studio war auf der Straße in Schwabing

In den 80er Jahren entschieden die Bundesländer, dass auch private Unternehmen elektronische Medien betreiben dürften. Die Großkonzerne Bertelsmann und Springer investierten in Fernsehsender, kleinere Verlage bemühten sich um Radio-Lizenzen.

Als Geschäftsführer des Gong Verlags sah ich viele Chancen. Wir gründeten die Studio Gong GmbH und stürzten uns in den Verteilungskampf. Der Markt war und ist reguliert. Die Landesmedienanstalten wollten Pluralität und zwangen konkurrierende Bewerber, sich auf einer Radio-Lizenz zu arrangieren. Der Andrang von Interessenten führte zu kuriosen Konstruktionen.

Der Sender RPR in Rheinland-Pfalz musste mehr als 150 Eigentümer unter einen Hut bringen. Der Sender FFH startete mit fünfzig verschiedenen Gesellschaftern, schafft es aber seit Jahren, Marktführer unter den Radios in Hessen zu sein. Vor den Programmen des Hessischen Rundfunks.

Jedes Bundesland reguliert nach eigenen Vorschriften. In Bayern konnten wir Radio Gong starten, das erste Stadtradio Deutschlands. Wir waren sechs renommierte Unternehmen, die alle den Ehrgeiz hatten, ein neuartiges Radio-Programm zu gestalten: Wir vom Gong, die Süddeutsche Zeitung, die Abendzeitung, der Holtzbrinck-Konzern, Radio der Frau und der Atlas-Verlag.

Die Landesmedienanstalt hatte konzipiert, dass jeder der Anbieter seine Stunden nach seinem Geschmack gestalten sollte. Die Sendestunden waren genau zugeteilt. Die Anbieter von 96,3 – so heißt unsere  UKW-Frequenz – einigten sich in langen Sitzungen, ein durchhörbares Format zu organisieren. Mit unserem professionellen Sendeschema konnten wir die Regulierer überzeugen. 

Im Studio bei Antenne Bayern
Im Studio bei Antenne Bayern

Die Gesellschafter wählten mich zum Geschäftsführer mit dem Auftrag, eine einheitliche Redaktion aufzubauen, die von allen bezahlt wurde. Ich engagierte Profis und testete Anfänger, die heute erfolgreich in Privatsendern und öffentlich-rechtlichen Anstalten arbeiten. Heftig debattiert wurde über den Namen des neuen Senders. Die beiden wichtigen Münchner Zeitungen hatten Ambitionen. Schließlich konnte ich meine fünf Partner übezeugen, unser gemeinsames Baby „Radio Gong" zu nennen. So hieß zwar die Zeitschrift, die ich leitete, aber die vier Buchstaben waren auch ein eingängiges Akustik-Symbol.

Radio Gong wurde das erste erfolgreiche Stadtradio Deutschlands. Täglich kamen Besucher von überall her, um unser Modell zu studieren.

Der Verteilungskampf unter fast fünfzig Bewerbern wiederholte sich, als die Landesmedienanstalt die Lizenz für einen bayernweiten Privatsender ausschrieb. Große Medienunternehmer wie Leo Kirch und der Heinrich Bauer Verlag stiegen aus, weil sie wegen zu erwartender Gesellschafterkonflikte nicht an den Erfolg des künftigen BR-Konkurrenten glaubten. 

Am Ende schier endloser Sitzungen genehmigte die BLM acht Anbieter: als größten eine Gruppe bayerischer Zeitungsverleger und die Konzerne Burda, Bertelsmann und Springer mit je 16 Prozent. Die Medienpool GmbH erhielt sieben Prozent am Sender. Diese Firma hatte ich gegründet, um auf eigenes Risiko im Radiogeschäft investieren zu können. Nach dem Erfolg von Radio Gong wählten mich die Mitgesellschafter zum Gründungsgeschäftsführer.

Das war der Start einer Erfolgsgeschichte. Antenne Bayern gehört seit Jahren zu den Marktführern in Deutschland.