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Die FOCUS-Story

Ein Foto das Geschichte machte. Verleger Hubert Burda und Chefredakteur Helmut Markwort präsentieren 1993 in der Druckerei den ersten FOCUS
Ein Foto, das Geschichte machte. Verleger Hubert Burda
und Chefredakteur Helmut Markwort präsentieren 1993
in der Druckerei den ersten FOCUS

Kein Mensch glaubte, dass wir mit FOCUS erfolgreich sein würden. Wer mit dem Zug nach München fuhr, las an einer Mauer eine riesige Schrift:

„Deutschland braucht kein zweites Nachrichtenmagazin.”

Der stolze Hamburger Monopolist Spiegel hatte aufgezählt, dass schon fünfzig Versuche gescheitert waren, in Deutschland ein zweites Nachrichtenmagazin zu etablieren. Die Skepsis gegen unseren Plan war weit verbreitet. 99 Prozent der Branche hielten uns für Hasardeure. Der Vorstandsvorsitzende eines großen Hamburger Medienkonzerns warnte in einem Brief, Hubert Burda solle das Erbe seines Vaters nicht zerstören. Spiegel-Verleger Rudolf Augstein ließ mir von einem seiner Chefredakteure vorrechnen, wie chancenlos wir wären, und auch im Unternehmen von Hubert Burda zeigten sich Betriebsräte und auch leitende Angestellte tief besorgt.
Sie fürchteten um ihre Arbeitsplätze.

Den schönen FOCUS-Hörer hat mir die Parlamentsredaktion basteln lassen und geschenkt
Den schönen FOCUS-Hörer hat mir die Parlaments-
redaktion basteln lassen und geschenkt

Trotzdem gelang es, eine professionelle Redaktion aufzubauen. Noch heute bin ich den Kollegen dankbar, die sichere Positionen in anderen Verlagen aufgaben, um sich unserer Abenteurertruppe anzuschließen. Zusammen erlebten wir großartige Jahre. Unser Verleger Hubert Burda vertraute mir und dem Team. Er ließ sich von den Unkenrufen nicht irritieren.

Schon vor dem Start gelang es uns, viel Aufmerksamkeit auf unser Projekt zu lenken. Hilfreich war, dass Spiegel-Mitarbeiter in Zeitungen und im Fernsehen über unser Projekt lästerten. Für das Publikum entwickelte sich ein David-Goliath-Duell. Die Branche stellte sich auf  die Seite des Goliath. Erstens, weil er materiell unangreifbar und zweitens, weil die Mehrheit der Journalisten „im Zweifel links” war, wie Rudolf Augstein postuliert hatte. Der Spiegel verdiente Millionen und war das Leitmedium der Republik. Seine Themen bewegten montags die Politik und die Redaktionen. 

Trotzdem stellten wir von der ersten Ausgabe an Wettbewerb her. Wir spürten den Unterschied zwischen der veröffentlichten Meinung und der öffentlichen Meinung.

Eine große Zahl von Lesern freute sich, dass FOCUS die Informationsvielfalt in Deutschland erweitert hatte. Das ist bis heute so geblieben.